Frühkindliche Reflexe

Frühkindliche Reflexe sind angeborene, automatische Bewegungsreaktionen. Babys reagieren damit auf bestimmte Reize, ohne diese Bewegungen bewusst zu steuern.

Sie gehören zur frühen Entwicklung und unterstützen unter anderem Bewegung, Gleichgewicht, Wahrnehmung und Schutzreaktionen.

Im Laufe der Entwicklung verändern sich diese Bewegungsmuster normalerweise. Bewusst gesteuerte Bewegungen werden zunehmend möglich.

Warum sind frühkindliche Reflexe wichtig?

Frühkindliche Reflexe gehören zu den frühen Entwicklungsprozessen eines Kindes.

Wenn einzelne Reflexmuster über die erwartete Entwicklungszeit hinaus noch deutlich aktiv sind, kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen.

Bei manchen Kindern können dabei Zusammenhänge mit bestimmten Beobachtungen im Alltag bestehen, zum Beispiel:

  • Unruhe oder erhöhte Anspannung
  • Schwierigkeiten mit Konzentration und Aufmerksamkeit
  • motorische Unsicherheiten
  • Schwierigkeiten beim Schreiben oder bei bestimmten Bewegungsabläufen
  • schnelle Überforderung bei bestimmten Anforderungen

Solche Beobachtungen können jedoch viele unterschiedliche Gründe haben. Ein einzelnes Merkmal sagt deshalb nicht aus, dass ein bestimmter Reflex noch aktiv ist.

Entwicklung und Reifung

Die Veränderung frühkindlicher Reflexmuster ist Teil der Entwicklung und Reifung des Nervensystems.

Dabei entwickelt sich jedes Kind in seinem eigenen Tempo.

Wenn ein Bewegungsmuster noch länger vorhanden ist, bedeutet das nicht automatisch, dass etwas „nicht stimmt“. Entscheidend ist immer das Gesamtbild des Kindes und die Frage, ob und wie sich ein solches Muster im Alltag zeigt.

Welche frühkindlichen Reflexe gibt es?

Moro-Reflex – der Schreckreflex

Der Moro-Reflex ist eine automatische Reaktion auf plötzliche Reize, beispielsweise auf ein unerwartetes Geräusch, eine schnelle Bewegung oder ein Gefühl des Fallens.

Mögliche Beobachtungen im Alltag können sein:

  • das Kind erschrickt sehr schnell
  • es reagiert stark auf unerwartete Geräusche oder Berührungen
  • es wirkt in bestimmten Situationen schnell angespannt
  • Veränderungen oder neue Situationen fallen ihm schwer

Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex (ATNR)

Der ATNR steht unter anderem mit Bewegungen von Kopf, Armen und Händen in Verbindung.

Bei der Betrachtung können beispielsweise folgende Beobachtungen interessant sein:

  • Schwierigkeiten bei bestimmten Bewegungsabläufen
  • Unsicherheiten bei der Koordination
  • auffällige oder angespannte Bewegungen beim Schreiben
  • Schwierigkeiten beim Zusammenspiel beider Körperseiten
  • bestimmte Schwierigkeiten bei Lesen oder Schreiben

Symmetrisch-tonischer Nackenreflex (STNR)

Der STNR steht unter anderem mit dem Zusammenspiel von Kopf, Armen und Beinen in Verbindung.

Mögliche Beobachtungen können sein:

  • Schwierigkeiten, längere Zeit stabil zu sitzen
  • häufiges Kippeln oder Abstützen
  • schnelle Ermüdung beim Arbeiten am Tisch
  • Schwierigkeiten bei bestimmten Bewegungsabläufen
  • Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen Blick auf die Tafel und Blick ins Heft

Weitere frühkindliche Reflexe

In der Reflexintegration werden je nach Entwicklungsstufe auch weitere Reflexmuster betrachtet, zum Beispiel:

  • Greifreflex
  • Spinaler Galant-Reflex
  • TLR – Tonischer Labyrinthreflex
  • Landau-Reflex

Jeder Reflex steht mit bestimmten Bewegungs- und Entwicklungsprozessen in Zusammenhang. Deshalb wird nicht nur ein einzelnes Merkmal betrachtet, sondern immer das Kind in seiner Gesamtheit.

Was können noch aktive Reflexmuster bedeuten?

Wenn ein Reflexmuster noch deutlich aktiv ist, kann sich das bei einem Kind beispielsweise in bestimmten Bewegungsabläufen oder im Umgang mit Anforderungen zeigen.

Mögliche Beobachtungen können Bereiche wie

  • Bewegung und Koordination
  • Körperwahrnehmung
  • Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Schreiben und Lernen
  • Umgang mit bestimmten Belastungen

betreffen.

Dabei gilt: Eine solche Beobachtung ist kein Beweis für einen noch aktiven Reflex. Sie kann lediglich ein Anlass sein, genauer hinzuschauen.

Was bedeutet Reflexintegration?

Bei der Reflexintegration wird mit gezielten Bewegungsabläufen gearbeitet.

Die Übungen werden passend zum Kind ausgewählt und Schritt für Schritt aufgebaut. Sie werden regelmäßig wiederholt und können in der Regel auch zu Hause durchgeführt werden.

Ziel ist nicht, ein Kind zu „korrigieren“, sondern Bewegungs- und Entwicklungsprozesse gezielt zu begleiten und dem Kind neue Bewegungserfahrungen zu ermöglichen.

Reflexe genauer betrachten

Wenn Sie bei Ihrem Kind bestimmte Bewegungsabläufe, Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten beim Schreiben oder andere Auffälligkeiten beobachten und sich fragen, ob frühkindliche Reflexe dabei eine Rolle spielen könnten, können wir gemeinsam genauer hinschauen.

In einem unverbindlichen Erstgespräch besprechen wir Ihre Beobachtungen und schauen, ob eine Reflexintegrationsbegleitung für Ihr Kind passend sein könnte.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind in seiner Entwicklung Unterstützung braucht, kann ein erstes Gespräch helfen, die Situation besser einzuordnen.

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